Der Buchmarkt und die liebe Zielgruppe

Fanny guckt ratlos überrascht in die Kamera. Der Hintergund (ihr Zimmer) ist lila eingefärbt.

“Mangacover gehen am Buchmarkt nicht.”, “Manga-Lesende und Buch-Lesende sind zwei verschiedene Zielgruppen.”, “Genre-Mixe haben keine Chance.”
Diese Sätze habe ich in letzter Zeit in meinem Umfeld gehört und im ersten Moment sank mir das Herz. Ich schielte gedanklich auf meine Veröffentlichung im Herbst:
Ein psychologischer Noir-Thriller und auf dem Cover-Entwurf prangt eine große Manga-Figur.

Niemand wird das Buch lesen, die Zielgruppe ist nicht klar, Manga-Menschen lesen keine Bücher und umgekehrt. Das alles schoss mir durch den Kopf. Ich fragte mich, ob ich mein Cover-Vorhaben oder gleich das ganze Buch vielleicht lieber anders angehen müsste. Mir blutete schon das Herz.

Aber dann fiel mir etwas auf. Ich bin doch ein Manga-Mensch. Und ich bin ein Buch-Mensch. Beides gleichzeitig. Dabei war man sich doch einig, dass es das nicht gibt. Aber mich gibts – versprochen.

Atmen und Innehalten

Also beschloss ich erstmal gar nix zu machen, außer alles, was in einzelnen Momenten abgelaufen war und sich aufgestapelt hatte, auf mich wirken zu lassen. Damit ich es verarbeiten und bewerten kann und nicht in Aktionismus verfalle.

Meine Bewertung lief dann so:
Die Menschen, die die Sätze gedroppt haben, haben Ahnung vom Markt. Also werden sie – mindestens aus ihrer Perspektive – Recht haben.

Aber auch meine Existenz ist unbestreitbar. 😉
Also gehe ich davon aus, dass die Aussagen in ihrer Absolutheit unwahr sind, aber dennoch anwendbar, wenn man in Größenordnungen von Publikumsmärkten denkt. Die Überschneidung zwischen Buch- und Manga-Zielgruppe ist so klein, dass es sich für Publikumsverlage und Indie-Verlage und -Autorys, die von ihren Werken leben möchten, nicht lohnt, sie gezielt zu bedienen.

Gut, das klingt schon viel verdaulicher.

Und ich?

Lohnt es sich dann für mich? Keine Ahnung. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich mir diese Frage gar nicht stellen will. Denn das hieße, dass ich meine Kunst für jemanden mache. Mache ich aber nicht. Ich schreibe, weil ich es kann. Weil die Geschichten von mir erzählt werden wollen. Ich schreibe für die Geschichten selbst und damit meine Kunst existiert. Danach schreibe ich für mich. Und ganz zum Schluss ist es eine Ehre für mich, wenn es Menschen da draußen gibt, denen meine Bücher etwas bedeuten.

Das Cover für den Thriller entstand sehr bewusst. Ich hatte die klare Vision, dass ich den Protagonisten in den Mittelpunkt stellen möchte. Meine größte Inspiration für dieses Buch war ein Manwha, der mich vor Ehrfurcht staunen ließ. Und Manga/Manwhas/Comics sind generell Benzin in meinem kreativen Feuer.
Dem möchte ich Tribut zollen, indem ich etwas aus dieser Kunstform mit meinem Buch verbinde.

Dafür habe ich mit Alekto, einer ganz tollen Mangaka, zusammengearbeitet. Sie ist phänomenal und hat meinen Prota so guuuut getroffen. Checkt sie unbedingt aus.
Mich aus Marktgründen für ein anderes Cover zu entscheiden, hieße also auch ihre Arbeit zu verstecken und wenig wertzuschätzen.

Im Kontext meines Schaffensprozesses und meiner Kunst ist dieses Cover sehr folgerichtig und stimmig. Ich bringe es nicht über mich, diesen Subtext über Bord zu werfen, um marketable zu sein.

Und ich bin froh, dass meine Intuition schnell lauter wurde als meine Prägungen und mein Unwillkürliches.

Und jetzt liest es niemand?

Vielleicht gibt es am Ende niemanden, den ich mit dem Thriller erreichen werden. Und klar, das würde wehtun. Aber viel mehr würde es wehtun, wenn meine Geschichte gefeiert wird, ich sie dafür aber hätte zerstückeln müssen, damit nur die marktkonformen Teile übrig bleiben.

Und ich habe als Indie-Künstlerin, die nicht auf Einnahmen aus ihren Büchern angewiesen ist, ein unfassbares Privileg.
Ich kann meine Kunst machen, wie sie ist und dann danach schauen, wen sie vielleicht interessieren könnte. Auch wenn meine Zielgruppe nischig ist, bin ich mir sicher, dass sie existiert.

Also habe ich ehrlich auf meine bisherigen und die bereits geplanten kommenden Bücher geschaut und mich gefragt, wer alle davon gerne lesen würde. So entsteht jetzt meine Zielgruppe:

Meine Zielgruppe sind Menschen, die

  • vom Ungewöhnlichem angezogen werden.
  • die Welt und sich selbst durch Geschichten begreifen.
  • Dinge gerne mal anders machen, als “man es macht”.
  • sich gerne überraschen lassen.
  • intuitiv Entscheidungen treffen und sich vom Gefühl leiten lassen.

Wenn jemand alle oder einige Aussagen abhaken kann, dann hat der Mensch wahrscheinlich Spaß mit meinen Büchern.
Diese Definition ist weit von üblichen Zielgruppen-Eckdaten entfernt. Es ist schwer, das in konkrete Maßnahmen zu gießen. Aber auch hier zeigen sich wieder Vorteile des Indie-Autorin-Daseins: Ich bin nur eine Person. Ich muss das niemandem erklären. Ich kann einfach meine Intuition entscheiden lassen, welche Maßnahmen ich angehe und was ich in den Wind schieße.

Mit dieser Conclusio geht es mir saugut. Sie lässt mich so sein, wie ich bin, lässt meine Kunst atmen und befreit mich von dem Erwartungsdruck anderer. Denn die Dinge, die meiner Zielgruppe wichtig sind, kann ich spielend mit jedem Buch erfüllen, das ich in Zukunft schreiben möchte. Das ist alles so nah an mir dran, dass es gar nicht anders geht.

Wenn ihr also in letzter Zeit einen Rumms vernommen habt: Das ist der Stein, der mir vom Herzen gefallen ist. Ich finde immer mehr meinen ganz eigenen Weg und das macht mich glücklich. Und ihr werdet im Herbst mein wunderschönes Manga-Cover bewundern können, das so sehr zum Vibe der Geschichte passt.

Tüdelü!

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Harlow

    Liebe Fanny, was bin ich froh, dass du zu dieser Entscheidung gelangt bist. Es ist ja so ein bisschen ein Hineinwachsen. Man emanzipiert sich Schritt für Schritt und wird freier von Erwartungen des Marktes. Ich habe kürzlich über ein Projekt nachgedacht und ob ich es schreiben soll, obwohl es recht nieschig ist, keine Romance enthält, etc. Ich kam zu dem Schluss, dass ich es schreiben WILL und dass das Grund genug ist. Darum bin ich auch immer wieder froh, unabhängig zu sein und kein Geld mit meiner Kunst verdienen zu müssen. Ich bin gespannt auf dein Mangacover-Buch. 🫶

    1. Fanny Remus

      ❤️❤️ Ja, wer die Möglichkeit dazu hat, freie Kunst zu machen, sollte es tun! Das brauchen wir so dringend! 💪 Wenn die Geschichte geschrieben werden will, dann braucht die Welt sie.

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Fanny mit blauen Haaren und grünem Shirt vor ihrer lila eingefärbten Wohnung

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