Meine ganz persönliche Ecke des Internets

Fanny mit Schnute vor ihrem Monitor an ihrem Arbeitsplatz (lila eingefärbt mit Tastatur, Maus und Mikro). Auf dem Monitor ist die Webseite und das Instagram-Profil zu sehen.

Social Media? Nimms nicht persönlich, aber ich hab einfach keinen Bock mehr auf dich. Es ist nicht nur deine Schuld, ich hab auch Fehler gemacht, lass mich zu sehr treiben, bin zu passiv. Aber so oder so – so geht es nicht weiter. Ständig sagst du mir, ich rede zu viel oder über das falsche, schränkst mich ein, wenn dir meine Inhalte nicht gefallen, willst Geld von mir, damit Leute mich überhaupt sehen. Ich sags wies ist: Unsere Beziehung ist toxisch as fuck. Ich mach Schluss (aber wir können noch ab und zu im Bett landen).

Es ist 2026 und Fanny startet einen Blog. Wow. So zeigt man wohl, dass man kein feines Gespür für Trends, für die Masse, für den Markt hat.

Aber eigentlich geht es genau darum. Algorithmen, GenKI, Performen, viraler Content, blah. Ich habe die Nase voll davon, ständig irgendetwas hinterherzurennen und mir sagen zu lassen, wie ich was zu tun habe – von Menschen oder schlimmer von Programmen und Maschinen. Alles wird schneller, alles wird lauter, alles wird egaler.

Ich bin überfordert und gelangweilt gleichzeitig. Diese Netzwerke sind designt dafür, dass sie die natürliche Funktionsweise unserer Gehirne ausnutzen. Inzwischen ist klar, dass sie einen signifikanten Impact auf unsere Gesellschaft haben – im Guten wie im Schlechten.
Im Moment fühle ich mich, als würde ich nach der Pfeife der Plattformen tanzen, statt zu machen, worauf ich richtig Bock habe. Ich bin müde.

Status Quo? Bück dich hoch!

Ende 2025 beschloss ich, mal eine echte Pause zu machen. So richtig. Urlaub vom Angestellten-Job, keine Buchsatzaufträge, kein Manuskript – und kein Social Media. Am 22.12. habe ich in meiner “Digitales Wohlbefinden”-App den Timer für alle sozialen Netzwerke auf Null Minuten gesetzt. Alle Icons ausgegraut, keine Chance die Apps auch nur zu öffnen. Paar Tage. Daraus sind dann fast zwei Wochen geworden.
Diese Pause hat mir viel besser getan, als ich es gedacht hätte. Ich wusste, dass es erholsam wird. Womit ich jedoch nicht gerechnet habe, war die Stille in meinem Kopf. Was mir besonders gefallen hat: Die Abwesenheit von Meinung.

Ob nun zu meinen eigenen Werken oder zu allen anderen Dingen in dieser Welt – Social Media hat Meinung. Eine ganze Menge.
Während meiner Therapie 2024 habe ich herausgefunden, dass die Meinung anderer Menschen eine Art Kompassnadel für mich ist. Darf ich das gut finden? Wie stehe ich dazu? Ist mir das wirklich gut gelungen? Ich konnte zwar selbst eine Ahnung davon haben, wie ich solche Fragen für mich beantworten würde, aber wenn die Meinung anderer dazu davon abwich, dann “durfte” ich nicht an meiner festhalten. Das war nicht sicher.
Warum ich diese Glaubenssätze aufbaute, ist komplex und sehr persönlich. Wenn ihr Götterhain lest, dann bekommt ihr eine Ahnung davon, wovor mich mein Nervensystem damit schützen wollte. Doch was einst sinnvoll war, steht mir jetzt im Weg. Ich bin zu abhängig von der Meinung anderer Menschen.

Und nun stand ich plötzlich ohne Meinung fremder Menschen da. Und war – frei. Frei zu tun, was ich wollte. Niemand würde je bewerten, niemand würde je auch nur erfahren müssen, wie ich in den paar Tagen über Weihnachten und Neujahr meine Zeit verbringe. Oh sweet Jesus, war das gut!
Mein Gedanke: Wenn das immer so wäre, dann wäre mein Leben um einiges leichter.

Fast wehmütig dachte ich an den Moment, an dem ich den Timer wieder abstellen würde. Aber Moment mal, wenn es mir so schwer fiel, zum Status Quo zurückzukehren, dann war das wohl ein eindeutiges Zeichen, den Status Quo zu ändern! Love it, change it or leave it! (Das schreibe ich grinsend, weil ich genau den Satz auch in meiner Millennial-Erzählung habe. Und eine sehr gelungene Punchline dazu. :D).

Marketing ohne Social Media?

Kein Social Media mehr? Geht das? Schließlich bringen mir die Apps auch Vorteile – ich habe eine tolle Community, ich habe eine gewisse Reichweite für meine Bücher und Menschen, die gern lesen, was ich schreibe.
Also muss es einen Weg geben, um die Nachteile zu reduzieren, ohne die Vorteile völlig aufzugeben. Ich hatte nicht direkt eine Lösung, aber in solchen Momenten greif ich auf ein Werkzeug aus meiner Tool-Box zurück. Ich nenne es: Das Problem bewundern. 😀
Ich schaue mir an, was gerade die Frage, Herausforderung, These oder idee ist und versuche es aktiv von so vielen Seiten wie möglich anzudenken. Es hilft auch, mit anderen darüber zu reden, es einfach im Kopf präsent zu haben. Und wenn ich es lang genug angeschaut habe, lass ich es köcheln. Dann geht mein Unterbewusstsein ans Werk. Es ist viel besser als ein Bewusstsein darin, Muster zu erkennen und DInge zu kombinieren, um einer Lösung näher zu kommen. Und kurz vor Silvester reifte eine Idee heran, die mich bis heute ganz kribbelig macht.

In letzter Zeit war ich etwas nostalgisch und habe Content rund um das Internet der Neunziger und 2000er geschaut. Ich vermisse die weirden Anfangszeiten des World Wide Web. Quriky Webseiten, ganz nach der Vorstellung der Hosts gestaltet. Manchmal fragwürdig, manchmal überfordernd – aber immer einzigartig und spannend.
Social Media verschluckt solche Formen des kreativen Selbsausdrucks. Sie sind da, aber nicht sichtbar. Jede Abweichung von dem, was der Algorithmus sehen will, wird mit Nichtachtung gestraft. Deswegen sieht man gestriegelte Profile, gefilterte Gesichter, Accounts voller Werbung. Bäh.
btw. ich hate hier nicht den Player, sondern das Game. Ich kann voll verstehen, warum Menschen da mitspielen und viele machen das auch sehr gut. Ich bin jedoch nicht gut darin und inzwischen auch nicht mehr bereit, meine Ressourcen dafür zu verschwenden.

Be the change you want to see in the world, schätze ich.
Deswegen habe ich einen Plan für dieses Jahr:
Ich gestalte meine ganz persönliche Ecke des Internets. Auf fannyremus.de kann mir keiner sagen, wie ich was zu gestalten habe, welche Worte ich nicht ausschreiben darf, welche Formate ich nutzen muss. Ich bin frei, mir mein eigenes Spielfeld zu schaffen.

Was bedeutet das?

  • Ich werde diesen Blog hier austesten. Ich mag longform Content eh lieber (D’uh, ich schreibe Bücher.) und hier kann ich mich so lang oder so kurz fassen wie ich will. So wird es lange Artikel geben, aber sicher auch kurze Einträge oder mal Videos. Das hier wird kein gestylter Blog mit How-tos voller Seo-Keywords und Affiliate Links. Es soll eine Art Tagebuch werden, voll von allem, was mich in diesem Leben so beschäftigt.

  • Social Media, es wird nie wieder so mit uns wie zuvor. Aber ganz Schluss machen werde ich auch nicht. Ich werde vornehmlich posten und viel weniger konsumieren. Vor allem auf meinem Buchsatz-Account werde ich die tollen Projekte meiner Kundys zeigen. Meine DMs sind natürlich weiterhin offen und sicher werde ich auch mitbekommen, was ihr so treibt.

  • Ansonsten nehme ich mir für dieses Jahr vor, neue Marketing-Wege abseits von Social Media auszutesten. Ich schiele in Richtung Newsletter und Kooperationen.Und lasse auch mein Unterbewusstsein das Problem bewundern.

Es wird vermutlich viel passieren, was ich jetzt noch nicht mal denken kann. Und das habe ich eigentlich am liebsten. Keine Ahnung, was passiert, aber eine Menge Enthusiasmus. Und niemand, der mir sagt, wie ich was zu tun habe.

Übrigens:

Meine Blog-Artikel und alles auf dieser Webseite sind wie meine Kunst und meine Dienstleistungen 100 % GenKI-frei. Alles handgemacht.

Es geht mir nicht mehr darum, eine möglichst große Masse an Leuten zu erreichen, Mainstream zu sein oder “alles richtig zu machen”. Und daran seht ihr, dass diese Marketing-Reise auch eine Reise mit mir selbst ist. Glaubenssätze auflösen; Neues probieren und schauen, wie es sich anfühlt; nicht mehr ALLE erreichen, sondern die richtigen; nicht mehr hinterherlaufen, sondern eigene Pfade freischlagen. (Jetzt benutzt sie schon Semikolons im Internetz! Wo soll das nur hinführen?)

Ich mach es mir so richtig gemütlich in meiner kleinen, weirden Nische. Und wenn du Experimente magst, dich nach komplexen und differenzierten Themen sehnst und es nie genug Farbe sein kann, dann komm doch auf eine Kola mit dazu.

Tüdelu!

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Harlow

    Liebe Fanny,
    ich feiere diese Idee und deine „Rückkehr“ (?, keine Ahnung, ob das vom Alter her hinkommt.) zu den Wurzeln des Internets. Ich habe in den letzten Monaten ähnliche Gedanken gehabt und bin zum gleichen Schluss gekommen: So ein Blog ist doch was Feines. Ich werde sicherlich öfter hier vorbeischauen.
    GLG

    1. Fanny Remus

      Jaa, es muss am Alter liegen. 😀 Es kann nicht genug Blogs geben. Lass uns gern gemeinsam was starten. <3

  2. Ella R. Finley

    Hey Fanny,
    jetzt bin ich ganz begeistert von Social Media hier gelandet. 😀
    Und weil ich bei Social Media durch viel FOMO angetrieben werde, mag ich da selbst zwar kaum was teilen (was sind das immer wieder für seltsame Regeln?), aber schau doch immer wieder rein.
    Umso schöner hier jetzt ungefiltert Fanny lesen zu können. Ich klicke mich noch ein bisschen durch und wünsche dir verdammt viel Spaß in deiner persönlichen Ecke des Internets. 🙂
    LG Ella

    1. Fanny Remus

      🥰 Yay. Hier gibt’s nur meine Regeln und eine wichtige davon: Bitte reinkommen und wohlfühlen. 😁

      1. Alex C. Weiss

        Da bekommt man ja direkt Lust, auch einen Blog zu starten. Viel Erfolg Dir!

        1. Fanny Remus

          Das habe ich jetzt schon öfter gehört. 😁 Je mehr, desto 90er würde ich sagen. 😂 Danke dir!

  3. Daira

    Hallo Fanny,
    ich habe Dich zufällig auf Threads gesehen und Deinen Beitrag mit dem Verweis auf Deinen Blog gefunden. Da musste ich dann doch gleich mal reinschauen, und beim Lesen des Artikels hatte ich ein Mega-Deja-vu.
    Ich habe schon immer gebloggt. Hatte diverse Blogs und liebe das Bloggen. Hier bin ich die Hausherrin, hier kann mir niemand reinfunken. Aber auch ich musste lernen, dass man Social Media als Trafficquelle nicht vernachlässigen darf. Aber da ich mich etwas mit SEO auskenne, (man lernt ja dazu, wenn man gefühlt seit einem halben Leben bloggt), sehe ich es mittlerweile nur als einen Baustein der Leiter zum Ziel, Traffic zu generieren.
    Aber wir haben mehr gemeinsam. Social Media ist etwas, das mich innerlich ausbrennt. Es ist ein Zeitfresser, ich meide es mittlerweile, wo ich kann, sofern es nicht dem Ziel dient, Traffic zu generieren. Privat nutze ich es gar nicht mehr.
    Letztes Jahr hat mir dann das Leben so richtig einen reingewürgt und ich habe lernen müssen, mich zeitlich neu zu organisieren. Zum Glück hatte ich schon damals aus meinem Blog eine Autorenplattform gemacht. Und ja, da fühle ich mich zu Hause. Soweit man das im Internet kann.
    Ich wünsche Dir, dass Du Dich hier genauso und noch viel mehr zu Hause fühlst. Ich denke aber auch, dass jeder Mensch, der mit einem eigenen Blog oder einer eigenen Website anfängt, genau den richtigen Schritt geht. Wir können nur dann selbstbestimmt konsumieren, wenn wir uns von dem Algortihmus des Social Media wieder lösen.
    Alles in Allem lasse ich Dir zum Einzug in Dein neues Heim im Internet mal ein „Herzlich Willkommen, liebe Nachbarin da.“ 😉
    Liebe Grüße
    Daira

    1. Fanny Remus

      Liebe Daria, danke für das liebe willkommen. 😊
      Meine Reinwürgung war 2024.😅 Seit dem ordne ich auch alles neu und gehe viele Schritte zu mehr Selbstbestimmtheit. Der Blog ist ein Teil davon. Ich bin auch gespannt, wie sich das alles einschuckeln wird.

      Liebe Grüße!

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Fanny mit blauen Haaren und grünem Shirt vor ihrer lila eingefärbten Wohnung

Hallo, ich bin Fanny. Autorin, Buchsetzerin, Künstler. Herzlich willkommen auf meinem Blog.
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