Die Kunst, meine Bücher und die Sehnsucht

Fanny guckt überlegend nach oben mit dem Finger am Kinn. Der Hintergrund ist eine Ecke ihrer Wohnung (lila eingefärbt).

Vor Kurzem hatte ich eine Unterhaltung mit Milian Ventus über Kunst, unsere Bücher, die Zielgruppe und den Markt. 
Für wen schreiben wir? Was wollen wir damit erreichen? 
Vor Jahren ist mir bei einem ähnlichen Gedanken-Ping-Pong schon aufgegangen, dass ich mit meinen Büchern die Welt verändern will. Ich möchte so viel Einfluss auf meine Lesenden haben, dass sie sich durch meine Geschichten neue Perspektive erschließen können. Denn nur so verändert sich die Welt wirklich – durch Menschen, die umdenken. 
Und auch jetzt hat unsere Unterhaltung wieder viel in mir ausgelöst. (Ohne Scheiß, sucht euch Menschen, mit denen ihr Gespräche führen könnt, die nachhallen und etwas in euch bewegen, lange über die Gesprächsdauer hinaus.)

Will ich, dass meine Bücher zugänglich für möglichst viele Menschen sind? Der erste Impuls ist ja: Wenn ich die Welt verändern will, muss ich eine große Masse erreichen. Aber irgendwie geht mir das zunehmend gegen den Strich. (Mir persönlich. Damit will ich andere Autorys, die vom Schreiben leben wollen und ihre Bücher kompromisslos auf die Zielgruppe ausrichten, auf keinen Fall abwerten oder verurteilen. Ich verstehe das und es ist gut, dass es solche Bücher gibt.)
Viele Menschen ansprechen zu wollen, bedeutet auch oft, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden. Es wird zugänglicher, aber das birgt auch die Gefahr, gefälliger und beliebiger zu werden. Und dagegen sträubt sich alles in mir.
Ich bin als weiblich sozialisierter Mensch lange genug darauf getrimmt worden, gefällig, verdaulich zu sein. Ich will der Welt jetzt lieber ein bisschen auf den Sack gehen.

Sehnsucht nach einem Ort, den es nicht gibt

Mein ganzes Leben schon begleitet mich eine Sehnsucht. Ich war schon immer eine Suchende. Ich habe meine Eltern, Lehrkräfte und Freunde verwirrt mit Fragen nach dem, was uns umgibt, der Existenz als Ganzes. Wo leben wir? Was ist das um uns herum? Wie kann das mit der Unendlichkeit überhaupt funktionieren?
Es ist wie eine Sehnsucht nach Orten, die es nicht gibt. (Dieses Zitat habe ich vor Jahren mal auf Social Media gelesen und für mich adaptiert. Ich habe leider nie die Quelle herausgefunden. Wenn du es weißt, schreib mir gern.) Die Welt kann sie nicht erfüllen, darin liegt ihre Tragik.
Doch diese Sehnsucht ist auch mein Antrieb. Denn wenn sie auf etwas ausgerichtet ist, das es nicht gibt, dann ist es mein Auftrag, Neues zu schaffen. Solange bis ich gefunden habe, was mich erfüllt.
Und langsam, ganz langsam habe ich den Verdacht, dass es die Sehnsucht nach Konvergenz ist. Sich eins mit der Welt fühlen. Gehalten, vollständig.

Durch meine Kunst, die nach Antworten auf diese Frage der Sehnsucht sucht (SehnSUCHT) ist mir klar geworden, dass das einzige auf der Welt, das ich während meiner Lebensspanne wirklich verstehen kann, ich selbst bin.

Also begebe ich mich in meinen Geschichten auf die Suche nach mir selbst.
In meinen Büchern geht es um mich. Um nichts anderes. Das bedeutet gleichzeitig, dass es um alles geht. Die Existenz als Ganzes, das Universum, das Bewusstsein das einzige ist, was existiert.

Und ich werde mich mit jedem Manuskript mehr diesem Konstrukt widmen und immer mehr von Verdaulichkeit, Zielgruppe und Markt entfernen. Mehr in die Philosophie, in die Psychologie, mehr zwischen den Zeilen, weniger erklären. Alles Dinge, von denen mir gesagt wurde, dass sie Gift für die Verkaufszahlen sind.

Nicht die eine große Heldentat – eine andere Haltung

Fakt ist: Das wird meine Bücher inhaltlich weniger zugänglich machen.
Aber nicht in dem Sinne, dass man einer bestimmten Klasse, Schicht oder Gruppe angehören muss, um Sprache oder Codes zu verstehen. Ich habe das Glück, dass mein Stil ein einfacher ist, der viele Menschen abholt. Ich kann Kompliziertes in unterhaltsame Geschichten verpacken, ohne den Kern zu verwässern. Das ist mir bewusst.
Dennoch schreibe ich nicht (mehr) für die Masse, den Markt, you name it.

Meine Bücher sind für die, die diese tiefe Sehnsucht kennen. Nach etwas anderem, nach einer großartigen Zukunft, nach ständiger Veränderung. Die nach allem wieder zu sich selbst wollen.
Und auch, wenn du gerade nicht weißt, wovon ich rede, lade ich dich ein, in meine Geschichten einzutauchen. Vielleicht kannst du diese Sehnsucht in dir entdecken.

Das reicht. Das ist genug. Denn ich glaube, genau diese Sehnsucht kann nicht nur für mich persönlich Antrieb sein, sondern auch für andere und damit die Veränderung anstoßen, die es braucht. Um die Welt zu verändern, ist nicht die eine große Heldentat nötig, sondern eine grundsätzliche andere Haltung der Flexibilität, Verletzlichkeit und des Miteinanders. Das kann auch mit einigen wenigen starten. Da bin ich mir sehr sicher. Denn am Ende sind wir alle eins.

Tüdelü!

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Fanny mit blauen Haaren und grünem Shirt vor ihrer lila eingefärbten Wohnung

Hallo, ich bin Fanny. Autorin, Buchsetzerin, Künstler. Herzlich willkommen auf meinem Blog.
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